Google startet seinen Livestreamingdienst Hangouts on Air weltweit. Weltweit? Nein! Ein von unbeugsames Bürokraten besetztes Dorf leistet erbittert Widerstand…

Worum geht es?

Mit Hangouts on Air kann man (kostenlos) Videos von z.B. Veranstaltungen live ins Internet streamen oder Videokonferenzen einrichten. Dabei wird der Livestream auch aufgezeichnet und ist später bei Youtube verfügbar.

Allerdings verstößt dieses Format gegen den Rundfunkstaatsvertrag, der vorsieht, dass die Veranstaltung von Rundfunk einer Zulassung bedarf. Mehr dazu hier

Anmerkung:
Der Passus (§2 Abs. 3.1) “Kein Rundfunk sind Angebote, die jedenfalls weniger als 500 potenziellen Nutzern zum zeitgleichen Empfang angeboten werden” greift hier nicht.
Der Umkehrschluss, der gerade durchs Netz geistert, dass alles, was über 500 Nutzer zeitgleich erreicht, dadurch automatisch zu Rundfunk wird stimmt zwar nicht*,  trotzdem fällt dieser Dienst leider darunter.

*<Klugscheissmodus>
Aussagenlogik: A => -B <=> B => -A
Konkret: weniger als 500 Nutzer => kein Rundfunk <=> Rundfunk => mehr als 500 Nutzer
Derzeit findet man überall diese Schlussfolgerung: Mehr als 500 Nutzer => Rundfunk, was -A => B oben entspricht und nicht zutrifft
</Klugscheissmodus>

 

Die meisten werden es mitbekommen haben, der Gastkommentar von Ansgar Heveling (CDU) im Handelsblatt hat mächtige Wellen geschlagen.

Darin bedient er sich martialischer Rethorik und glänzt vor allem durch Ignoranz und keinerlei Fachwissen.

Ein paar Auszüge:

Netzgemeinde, ihr werdet den Kampf verlieren! (Überschrift)

 

Und das Web 2.0 wird bald Geschichte sein. Es stellt sich nur die Frage, wie viel digitales Blut bis dahin vergossen wird.

 

Wenn wir nicht wollen, dass sich nach dem Abzug der digitalen Horden und des Schlachtennebels nur noch die ruinenhaften Stümpfe unserer Gesellschaft in die Sonne recken und wir auf die verbrannte Erde unserer Kultur schauen müssen, dann heißt es, jetzt wachsam zu sein.

Auch das Wort “Endkampf” findet sich im Text, “Endsieg” zu schreiben hat er sich wohl nicht getraut…

Der gesamte geistige Dünnpfiff dieses Herren ist hier zu lesen:
Gastkommentar im Handelsblatt

Das Schlimme ist, dieser armselige Hinterbänkler ist Mitglied der “Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft” des deutschen Bundestages.

Aber noch lustiger als dieser Schwachsinn sind die Reaktionen darauf. Nicht nur Mitglieder aus anderen Parteien und andere Mitglieder der Enquete-Kommission,

Ich würde ihm dringend raten, sich einmal mit den technologischen Entwicklungen seit 1960 zu beschäftigen.
Sebastian Nerz, Bundesvorsitzender der Piratenpartei

 

Jetzt ist er vollkommen durchgeknallt!
Alvar Freude (Sachverständiger der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft) in der Stuttgarter Zeitung

sondern auch seinen Parteikollegen fehlt jedes Verständnis für das Geschwubbel, das er abgeliefert hat:

Wer glaubt, bei der Beantwortung der Frage, wie wir die digitale Spaltung in der Gesellschaft überwinden statt vergrößern können, von Schlacht und Verderben sprechen zu müssen, der sollte sich eventuell überlegen, ob er als Politiker den richtigen Beruf gewählt hat.
Dorothee Bär (CSU) im Handelsblatt

Dass Herr Heveling es selbst eventuell nicht so genau mit den Urheberrechten nimmt, für die er sich so einsetzt, ist z.B. hier nachzulesen: ODEM.blog Urheberrechtsrolle als Urheberrechtsverletzer
Update: Die Newsletter, auf die sich dieser Vorwurf gründet wurden inzwischen von Hevelings Seite entfernt.

Und natürlich hat sich bei Twitter auch schon breiter Widerstand unter allen formiert, die dort ihre “zweite Pubertät durchleben” (Heveling)

Aber vielleicht hat Mario Sixtus recht, wenn er bei Twitter schreibt:

Was, wenn #Heveling gar nicht so blöd ist, sondern mit “Ihr habt verloren” meint: “Mit #ACTA schaffen wir das freie Internet sowieso ab”?

Unbedingt lesenswert:
Fahrradfahrer, ihr werdet den Kampf gegen das Hochrad verlieren!

Da sind sie wieder, die Fabulierungen über den rechtsfreien Raum:

Der Fall Megaupload macht deutlich, dass wir einen klaren Rechtsrahmen im Internet brauchen, so wie es in der realen Welt selbstverständlich ist.

Quelle: http://www.cducsu.de/TabID__6/SubTabID__7/InhaltTypID__1/InhaltID__20986/inhalte.aspx von Ansgar Heveling und Dr. Günter Krings (beide CDU)

Aber mal langsam. Megaupload, gegründet von Kim Schmitz alias Dr. Kimble alias Kim Dotcom, ist ein Unternehmen, das unter dem Namen “Megaupload Ltd.” in Hong Kong firmierte, die Domain wurde ebenfalls in Hong Kong registriert, die Server standen wohl größtenteils in den USA. Der Firmengründer und Hauptangeklagte ist Deutsch-Finne und wohnte in Neuseeland und wurde dort auch festgenommen. Ihm drohen derzeit bis zu 20 Jahre Haft (nur für den Hauptanklagepunkt).

Noch langsamer:
Deutsch-Finne
Firma in Hong Kong
Server in USA
Wohnsitz in Neuseeland

Hätte man diesen Mann in einem rechtsfreien Raum wirklich verhaften können???

Lieber Leser, stellen Sie sich mal folgendes Szenario vor:

Sie haben ein Vorstellungsgespräch in einer größeren Stadt, sagen wir mal Frankfurt.
Nachdem Ihre Bahn dorthin mit Verspätung eintrifft und auf die Schnelle kein Taxi zu bekommen war, bleibt Ihnen nur die Möglichkeit, die vier Häuserblocks zu Ihrem Termin im Eilschritt bzw. laufend zu überwinden.

Die Überwachungskamera am Bahnhof filmt Sie, wie Sie rennen und der Zentralcomputer wertet das als auffälliges Verhalten. Deswegen wird eine Flugdrohne aktiviert, die Sie den Rest Ihres Weges in einiger Höhe lautlos begleitet und filmt.
Da Sie kurz in Richtung der Überwachungskamera gesehen haben, kann der Zentralcomputer währenddessen außerdem anhand einer Gesichtserkennungssoftware Ihre Ausweisnummer und somit Ihren Namen, Anschrift, Telefonnummer und sämtliche Kontodaten ausfindig machen.
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Wer Internetseiten betreibt, für andere betreut oder für sich oder Kunden optimiert, der ist auf Links von anderen Seiten angewiesen. Das war fast schon immer so und wird auch bis auf Weiteres so bleiben. Eine einfache Möglichkeit dazu, die von vielen täglich genutzt wird, ist der Linktausch. Das funktioniert nach dem Motto “ich gebe dir nen Link von meiner Seite und bekomme dafür einen von deiner Seite”. Keine große Sache, themenverwandte Seiten suchen, Betreiber kurz anschreiben, vielleicht noch ein oder zwei Mails wechseln, bis alles organisiert ist und schon ist alles unter Dach und Fach und beide Seiten haben in der Regel profitiert.
Neu ist jedoch, dass es etwas schwerer geworden ist, so einen Linktausch zu organisieren.
Warum?
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Ich habe das schon einmal an anderer Stelle gepostet, aber das passt gut zu dieser Seite, deswegen hier nochmal:
Seit dem 29.6.2006 ist das „Gesetz über die deutsche Nationalbibliothek“ in seiner jetzigen Fasssung gültig.
Für alle, die dieses Gesetz noch nicht kennen, und das dürften wohl die meisten sein:

Dieses Gesetz regelt die Aufgabe der deutschen Nationalbibliothek, Medienwerke in Deutschland und deutschsprachige Medienwerke aus dem Ausland u.A. „[...] im Original zu sammeln, zu inventarisieren, zu erschließen und bibliografisch zu verzeichnen, auf Dauer zu sichern und für die Allgemeinheit nutzbar zu machen [...]“ Weiterlesen